Rasse des Jahres 2019 - Eistauben

Die Eistaube, in der Literatur auch als Müller- oder Mehltaube bezeichnet, kann wohl zweifellos zu den ältesten deutschen Taubenrassen gezählt werden.

Über die Entstehung der Eistaube wurde schon vielgeschrieben. Berichte und Veröffentlichungen, die nach intensivem Literaturstudium unterschiedlich zu bewerten sind.

Christian Ludwig Brehm beschreibt die Eistaube 1857 in seinem Buch "Naturgeschichte und Zucht der Tauben" wie folgt: Farbe licht-mohnblau, wie mit feinem Mehl bestäubt, Augenstern rotgelb, der Flügel mit zwei schwarzen Binden und einem schwarzen Schwanzspitzenband. Die Füße sind stark befiedert.

 

Nach Bruno Düringen, in Geflügelzucht 1905, ist als eigentliche Heimat Schlesien und Sachsen der Eistaube als alter Schlag der veredelten federfüßigen Feldtaube anzusehen.

In einem Bericht der Geflügelbörse 1911 geht der Verfasser davon aus, als Urtaube der glattfüßigen Eistauben sei diejenige Gruppe der Felsentauben anzusehen, deren Verbreitungsgebiet Rubien ist. Diese Gruppe der Felsentauben hat glatte Füße. Die Felsentaube, die unserer blauen Feldtaube in Farbe und Zeichnung am ähnlichsten ist, hat stärkere Beine. die an der Vorderseite bis zur Hälfte befiedert sind. Auch die Innenseiten der Beine zeigen kleine Federn. Es dürfe zweifellos feststehen, dass unsere (und hiermit ist die sächs. Züchtung gemeint) belatschten Eistauben-Varietäten von der vorstehend näher beschriebenen Gattung der Felsentaube abstammen. Als weitere Beweise für die Abstammung von der Felsentaube werden hier noch die Rückschläge in der Vererbung der Eisfarbe aufgeführt, die durch ihre dunkle Färbung an die Ureltern erinnern. Die erste herausgezüchtete sächs. Varietät war selbstverständlich die belatschte einfarbige mit schwarzen Binden (früher Striche).

Das schöne, große Auge solldunkelkastanienbraun sein.

Die unvollkommenen Binden bei den weiblichen Wildtauben soliden Züchtern Anlass zur Herauszüchtung des Farbenschlages ohne Binden (hohlige, Hohlflügel) gewesen sein. Verbliebene einzelne dunkle Punkte waren nach Meinung des Verfassers Anlass zur Herauszüchtung der gehämmerten und geschuppten Flügelzeichnung.

Im Jahr 1837 ist it. Verfasser die weiß- geschuppte Eistaube (Porzellantaube) noch nicht bekannt gewesen. Erwähnenswert ist noch, dass die Eistauben im Laufe von Jahren immer mehr rötlich - als grünschillernden Hals – zeigten, was auf Einkreuzung von roten Tauben zurückzuführen sei.

Rückschläge in der Züchtung, die sich in rostgelben Binden und ebensolcher Schuppenzeichnung und Halsfedern bemerkbar machen, sollen zur "Schaffung eines weiteren Farbschlages, der "Porzellantaube" geführt haben.

Auch Düringen beschreibt die Porzellantaube, deren Beschreibung und Abbildung mit der heutigen weißgeschuppten Eistaube identisch ist. Sie ist ein Erzeugnis der Kunst und ziemlich selten.

Wenn auch über die Geschichte der Taubenzucht nicht völlig Klarheit herrscht ist das auch über die Abstammung der Taubenrassen der Fall. Es wird aber angenommen, dass die Felsentaube (Columba livia) die Stammform unserer gesamten Haustauben ist.

Willhelm Mankel schreibt zur Geschichte der Eistauben in: "Der Geflügelzüchter", Frankfurt a. M. im März 1950:

Die Eistaube soll aus Inner- oder Ostasien stammen. Er bezieht sich wiederum auf einen Bericht von Schachtzabel, der 1936 schrieb, dass er ein Paar aus dem Himalaya Gebirge importierte Felstauben gesehen hat, die nichts anderes als glattfüßige Eistauben mit schwarzen Binden waren. Ihre heutige Vollendung erhielt sie in Sachsen.

Der Name "Forellentaube" ist nach Autor willkürlich angenommen worden, der im Interesse einer logischen Einreihung dieser Taube in das Familien- und Namenssystem als falsch bezeichnet werden muss.

Wichtig erscheint mir noch eine Veröffentlichung von Dr. A. Maar, Blätter der Geflügelzucht, 21. Mai 1884:

Neben den unterschiedlichen Varianten in der Eisfarbe wird hier erstmals die glattfüßige Variante der Eistauben erwähnt. Nach Dr. A. Maar unterscheidet man folgende Varietäten der Eistaube:

  1. Die lavendelblaue Färbung, am ganzen Körper vollkommen gleich ohne merkliche Schattierung und ohne Flügelbinden. Dunkle Augen und schwarzer Schnabel werden besonders geschätzt. Reine gleichmäßige Färbung ist die Hauptsache.
  2.  Ordinärblaue mit weißen, schmal schwarz gesäumten Flügelbinden, der Hals ist sanft rosenrot und schillern apfelgrün. Schwingen Schwanz und Latschen sind blauschwarz.
  3. Lavendel- oder silberblaue mit schmal schwarz gesäumten Flügelbinden. Kopf, Hals, Schwingen und Schwanz sind von etwas tieferer Färbung, letzter hat außerdem noch eine gegen 12 - 13 mm breite dunklere Endbinde. Die Augen variieren zwischen orange und dunkelbraun.
  4. Getupfte und gesäumte Eistauben in verschiedenen Grundfarben vom zarten Grau bis zu einem viel tieferen Tone, mit welchem zugleich die Zeichnungsfarbe bis ins tiefste Schwarz übergeht.

 

Diese Beschreibung deckt sich inhaltlich voll mit der Veröffentlichung von Eduard Baldamus aus dem Jahre 1878.

Unter Einbeziehung und Bewertung aller Veröffentlichungen komme ich zu der Erkenntnis, es gilt als sicher, dass die Eistaube als schwarzbindiger belatschter Farbenschlag als erster Farbenschlag (Sachsen, Lausitz), der glattfüßige Farbenschlag zeitnah in Schlesien erzüchtet wurde.

Annahmen, dass zuerst die glattfüßigen Eistauben vorhanden waren, die belatschten Eistauben eine süddeutsche Züchtungen seien und später durch Einkreuzungen von Trommeltauben entstanden sind, können mit Sicherheit als falsch bezeichnet werden. Wie bereits erwähnt. die ältesten Nachweise sind definitiv belatschte schwarzbindige Eistauben gewesen.

Die Verbreitung der glattfüßigen Eistauben ging um 1900 sogar so weit zurück, dass Schachtzabel die glattfüßigen Eistauben im "Prachtwerk" nur noch als "Diverse" Tauben im Anhang aufgeführt hat.

Der Bericht der Geflügel-Börse aus dem Jahre 1911 deckt sich mit älteren Veröffentlichungen und ist nach meinen Erkenntnissen hinsichtlich der Entstehung der Eistauben als realistisch einzuschätzen.

In jüngster Zeit kamen immer wieder Zweifel auf, ob es die heute nicht mehr vorhandenen Porzellantauben wirklich gegeben hat. Auch hier eine klare Antwort:

Ja. sie hat es gegeben, aber in der heutigen Form des Farbenschlages belatscht weissgeschuppt. Die mir vorliegenden Berichte aus den Jahren 1905 bis 1930 bestätigen das. Zur 1. Nationalen Geflügelausstellung 1893 wurden immerhin neben 7 Eistauben auch 10 Porzellantauben gezeigt.

 

In "Das Hausgeflügel, Teil 11, Die Taubenrassen" von Dr. A. Lavalle u.a. erschienen

Oktober 1905 in Berlin wird die Eis- und Porzellantaube wie folgt beschrieben: Beide, die Eis- und Porzellantaube bilden in Wirklichkeit eine enge Familie und sind miteinander verwandt, dass man beide Rassen als Eistauben bezeichnen könnte. In allen Teilen, auch in der Grundfarbe des Gefieders, sind beide Rassen gleich, nur die weiße, schwarz gesäumte Schuppenzeichnung unterscheidet jene von der eigentlichen Eistaube.

Aus den nachfolgenden Tafeln ist zu ersehen. dass als Eistauben die weißbindigen Tiere und als Porzellantauben der heutige weissgeschuppte Farbenschlag bezeichnet wurde.

Um 1920 erfolgte dann eine neue Zuordnung bezüglich der weißgeschuppten

Eistauben und der Porzellantauben, was im Prachtwerk der Taubenrassen von Schachtzabel auch dokumentiert ist.

 

Im Mustertauben-Buch, herausgegeben von Fritz Pfennigsdorf. Berlin 1925-26

ist diese Neuzuordnung klar zu erkennen. "Die im Freistaat Sachsen beheimatete Eistaube wird in folgenden Arten gezüchtet: 1. hohlige, 2. weißbindige, 3. schwarzbindige, 4. weißgeschuppt und 5. schwarzgeschuppt und 6. als sogenannte Porzellantaube. Nur die in Schlesien besonders verbreiteten schwarzbindigen und schwarzgeschuppten sind rotäugig. Alle anderen Farbenschläge haben ein schwarzes (dunkelkastanienbraunes) Auge. Bis auf porzellanfarbig kommen die glattfüßigen Eistauben in denselben Farbenschlägen wie die Sächsischen Eistauben vor.

Die Abbildungen gleichen denen von Schachtzabel und sind durch Fotografien ergänzt.

 

In einem Ausstellungsbericht von 1924 wird darauf hingewiesen, dass es falsch sei, weissgeschuppte Eistauben unter Porzellantauben auszustellen. Auf die unterschiedlichen Rassemerkmale wird eingegangen. Ich erinnere mich an ein Gespräch zu den Eistauben im Jahr 1968 mit dem Preisrichter Walter Engmann, der mir sagte, früher wurden die weißgeschuppten Eistauben als Porzellantaube bezeichnet (Zeichnung so zart, wie auf Porzellan gemalt).

Ich habe aber leider keinen Nachweis, dass Porzellantauben, so wie sie erstmals Schachtzabel in seinem illustrierten Prachtwerk sämtlicher Taubenrassen beschreibt, auf Ausstellungen gezeigt wurden.

Hat es diese Porzellantauben dreifarbig mit Schwanz-Flügelzeichnung so gegeben? Zumindest die Beschreibungen der Fachliteratur und die Schauberichte deuten darauf hin. Nach Veröffentlichungen des Sondervereins um 1926 sollen nur eine Zucht geben, die den Anforderungen an eine Porzellantaube erfüllen.

Sind unsere heutigen Vorstellungen zu diesen Farbenschlag überhaupt umsetzbar? Wie ist dieser Farbenschlag ursprünglich entstanden? Ich glaube, erst wenn wir Antworten auf diese Fragen haben, wird uns die Wiedererzüchtung dieses interessanten Farbenschlages gelingen.

 

Joachim Schütte schreibt im Dt. Kleintierzüchter Nr. 24/1984, dass die Forellentaube eigentlich keine Eistaube sei und dass diese Rasse eine süddeutsche Züchtung ist.

Nach den heutigen Erkenntnissen völlig falsch. Auch wurden in der Neuzeit nie Forellen- bzw. Eistauben in Polen oder in der Tschechoslowakei erzüchtet.

Die Geflügelbörse beschreibt im Juli 1911 bereits die schwarzgehämmerte glattfüßige Eistaube. Auf dem Titelbild waren 1,1 gehämmerte Eistauben von R. Gläser, Falkenau zu sehen.

Die vorliegenden Berichte und Rassebeschreibungen lassen erkennen, dass die Eistauben etwa seit 1880 in den jetzt vorhandenen Farbenschlägen und etwa ab dem Jahr 1920 nach dem heutigen Standard gezüchtet werden, wobei die Eisfarbe in den letzten Jahrzehnten wesentlich verbessert wurde. Lediglich ist hier um 1920 eine neue Zuordnung bezüglich der weißgeschuppten Eistaube und Porzellantaube erfolgt.

Die Abbildungen aus den Jahren 1920 bis 1926 lassen erkennen. dass die Eistauben schon eine sehr feine Eisfarbe aufwiesen, welche leider durch die Kriegseinwirkungen teilweise wieder verloren gegangen ist. Auch sind dadurch einige Farbeschläge verschwunden.

Allerdings ist auch mit Aufhellung der Eisfarbe die rein weiße Zeichnungsfarbe der weißgeschuppten und weißbindigen Eistauben verschwunden.

Auf den Europaschauen der Sächsischen Farbentauben und auf der Weltausstellung in Zwönitz im Januar 2016 konnten wir durchweg Eistauben sehen, welche höchsten Anforderungen entsprachen.

 

Jörgen Schütze

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