Gedenkmedaillen des Sächsischen Rassegeflügelzüchterverbandes

2017 Ernst Schneider (1855-1944)

Jüngere Züchter wissen heute mit diesem Namen gar nichts, ältere in seltenen Fällen etwas anzufangen. Das ist verzeihlich. Aber ungerecht bleibt das Vergessen dieses Pioniers der Rassegeflügelzucht zweifellos, denn sein für damalige Verhältnisse mit 89 Jahren langes Leben war ein Leben für die Rassegeflügelzucht.

Seine Biographie ist für die Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert untypisch. Sie passt eher in die heutige Zeit, denn er zog als Redakteur stets seiner sich ortsverändernden Arbeit nach.

Ernst Schneider wurde am 16. September 1855 in Niederoderwitz / OL geboren. Auf dem elterlichen Bauernhof begann er in großem Stil Rassegeflügel zu züchten und so wertvolle Erfahrungen für seine spätere Berufstätigkeit und das Preisrichteramt zu sammeln. Die Liste der gezüchteten Rassen kann hier nicht vollständig wiedergegeben werden. Es seien nur die lange Zeit gezüchteten Rassen genannt: Italiener, Langschan, Cochin, Malayen, Sumatra, Breda, Zwerg-Kämpfer, Perlhühner, Toulouser- und Lockengänse, Rouen- Hauben- und Pekingenten, Malteser, Elsterkröpfer, Mövchen und Trommeltauben. Er liebte das Besondere und die blaue Farbe beim Geflügel. Die ersten blauen Italiener und Langschan in Deutschland werden ihm zugeschrieben. Der Tierbestand soll um die 250 gewesen sein.

Gefordert wurde der junge Mann in seinem Tun durch Gründervater Robert Oettel. Zu diesem hatte er ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und von ihm wurde er als 21-Jähriger als-Preisrichter für die Oberlausitzer Verbandsausstellung 1877 in Herwigsdorf empfohlen. Weit über 1000 Ausstellungen hat Schneider im Laufe seines Lebens bewertet, vor allem in Sachsen. Er gehörte zu den Preisrichtern, von denen A. Wulf schrieb, sie haben ein breites Wissen und große Zuchterfahrungen und sind so, anders als die nur Spezialisten, gefeit vor einseitiger Rasselenkung. lm Jahr 1897 fand sein Züchten berufsbedingt leider sein Ende.

Anfang 1898 wurde Schneider in die Redaktion der ,,Blätter für Geflügelzucht“ nach Dresden als Redakteur berufen und stieg dort bis zum Chef auf. Als die Blätter, das damals noch führende Fachorgan, 1905 samt Verlag verkauft wurden, zog er mit nach Reichenbach im Vogtland. Die neuen Inhaber schafften es, die Blätter einstellen zu müssen.

Inzwischen war die Geflügel-Börse auf dem Zeitungsmarkt, die sich Schneiders 1910 als Schriftleiter versicherte. Auch bei ihr schaffte er es bald bis zur Spitzenposition Hauptschriftleiter, heute Chefredakteur genannt. Die glorreichen 20-iger Jahre der Geflügel-Börse noch im Schwarz-Weiß-Druck sind auch sein Werk. in Leipzig brachte sich Ernst Schneider natürlich in den traditionsreichen Leipziger Verein ein. Mit seinen Erfahrungen aus Oderwitz, wo er den Verein 13 Jahre geführt hatte, übernahm Schneider in den Kriegsjahren 1917 den Vorsitz in Leipzig und führte den Verein bis 1921. Die erste Schau nach dem Ersten Weltkrieg fand in Leipzig unter seiner Leitung statt. Für sein verdienstvolles Wirken für den Leipziger Verein wurde er 1921 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der langjährige Katalogbearbeiter der Leipziger Schauen, Karl Lenk, charakterisiert den Ehrenvorsitzenden als ernst und verschlossen. Ernst Schneider hat zahlreiche Fachbeitrage und Schauberichte geschrieben, deren genaue Zahl wohl nicht ermittelt werden kann, denn damals erschienen viele Beitrage in den Fachorganen ohne Autorenangabe. Auch ein heute recht seltenes Hühnerbuch stammt aus seiner Feder. Soweit zum Redakteur und Autor. Die zweite Schiene seines Wirkens ist ebenso bedeutsam. Es ist die Schaffung eines einheitlichen Preisrichterwesens für Rasse-geflügel in Deutschland. Dabei wirkte er von Anfang an bis zur Vollendung 1926 in der jeweils ersten Reihe mit.

Als im Jahr 1900 die Allgemeine Vereinigung der Geflügelpreisrichter, Sitz Sachsen, gegründet wurde, gehörte Schneider zu den Gründern. Ab 1906 war er Vorsitzender, später Ehrenvorsitzender. Diese Vereinigung trat für verbindliche Satzungen für die Bewertung ein und umfasste Mitglieder aus vielen Ländern Deutschlands. Sie war zwar die führende Körperschaft mit viel preisrichtender Prominenz als Mitglied, aber noch nicht die alle Preisrichterorganisationen umfassende Vereinigung. Preisrichtervereine gab es damals zahlreich.

Für die Vereinheitlichung der Ausbildung und Tätigkeit der Rassegeflügelpreisrichter gab es nach 1920 zahlreiche Initiativen. Einheitlichkeit im Preisrichterstand war Schneider eine Herzensangelegenheit. Er setzte sich an führende Stelle dafür ein, gehörte aber nicht zu denen, die eine Gründung des heutigen Verbandes Deutscher Rassegeflügel Preisrichter von oben, d.h. vom Präsidium des BDRG, wollten. Er engagierte sich für die 1926 endlich in Kassel erfolgte basisdemokratische Gründung und wurde als 2. Vorsitzender bei der Gründungszusammenkunft gewählt.

Es gibt in der Geschichte der Rassegeflügelzucht in Deutschland nicht viele Mitstreiter seines Formats und seiner Treue. Schneider starb im Alter von 89 Jahren im Januar 1944 in Leipzig, was aus einem Nachruf in der Börse vom Marz leider ohne Tagesangabe hervorgeht

Der Autor dieser Laudatio bedankt sich bei Klaus Mehnert, Reichwalde und Karlheinz Sollfrank, Nürnberg, für Auskünfte zum Leben Ernst Schneiders. Er hofft, dass niemand mehr an der Berechtigung zweifelt, ihm die Landesverbandsmedaille für 2017 zu widmen.

 

Prof. Dr. Joachim Schille

Die Gedenkmedaillen des SRV von 2001 bis 2010

ePaper
2001 Walter Engmann, 2002 Kurt A. Meissner, 2003 Willy Maudrich, 2004 Gerhard Hornuf, 2005 Eduard Bruno Dürigen, 2006 Walter Streller, 2007 Paul Hahn, 2008 Hans Günther, 2009 Fritz Richter, 2010 Dr. Paul Trübenbach


Teilen:

Die Gedenkmedaillen des SRV von 2011 bis 2017

ePaper
2011 Gustav Torges, 2012 Karl Lenk, 2013 Rudolf Barth, 2014 Arthur Esche, 2015 Helmut Engelmann, 2016 Rudolf Kramer, 2017 Ernst Schneider



Teilen:
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Sächsischer Rassegeflügelzüchterverband e.V.