Gedenkmedaillen des Sächsischen Rassegeflügelzüchterverbandes

2019 Hugo Peschke (1878-1948)

Hugo Peschke - ein Züchter und sein Buch

 

Vielleicht gibt es Züchter, die erwarten, dass ein Fachschriftsteller über Tauben auch ein erfolgreicher und langjähriger Züchter ist. Von der Sorte Fachschriftsteller gibt es nur wenige. Neben den Fachschriftstellern, die als Züchter nicht oder nur kurzzeitig oder gar durch Misserfolge auf sich aufmerksam machten (die Pietät gebietet, auf die Nennung von Namen zu verzichten), gab es in der Vergangenheit auch erfolgreiche Züchter, die als nebenamtliche Fachschriftsteller Beachtung fanden.

 

Der Züchter

Es ist aber zweifelsfrei gerechtfertigt, Hugo Peschke, Döbeln, in die letztgenannte Kategorie einzuordnen. Er hat sich als Züchter von Deutschen Modenesern. Holländer Haubenhühnern, Nackthalshühnern und Krummschnabelenten einen Namen gemacht, war geachteter und gesuchter Preisrichter für alles Geflügel, hat als Organisator in Verein, Sonderverein und Preisrichterwesen gewirkt, gab seine Erfahrungen, Recherchen und Meinungen in zahlreichen

Fachbeiträgen kund und setzte sich mit seinem Buch ,,Die Deutsche Modenesertaube in Wort und Bild'' zu Lebzeiten ein Denkmal.

Er wurde am 15. Mai 1878 in eine aus Waldheim/Sachsen stammende kinderreiche Fleischerfamilie geboren. Neun Geschwister, das waren fünf Brüder und vier Schwestern, hatte er. Eine der Schwestern heiratete den bekannten Züchter Sächsischer Mond- und Brüstertauben, Karl Schiller aus Bräunsdorf bei Freiberg.

Seine Lehre als Kaufmann absolvierte Hugo Peschke in Soest in Westfalen. Im Alter von 28 Jahren, versehen mit kaufmännischen Erfahrungen und wohl auch den notwendigen Mitteln, erwarb er in Döbeln in der Bahnhofstrasse 8 ein Kolonialwarengeschäft, das er bis zu seinem Ableben am 28. März 1948 betrieb.

Mit zunehmendem Wohlstand konnte er seiner Leidenschaft Geflügelzucht seine Zeit widmen. Er hat gewirkt und viel bewirkt. Da ist zunächst einmal die Gründung eines zweiten Geflügelzuchtvereins in Döbeln zu nennen, die von August Neubert, dem prominenten Farbentaubenfachmann, angestrebt wurde. Er schlug Hugo Peschke als Vorsitzenden vor. Die Wahl erfolgte einstimmig. Peschke gelang es 1913, die beiden Vereine zusammenzuführen. Im Nachkriegsjahr 1919 wurde er Vorsitzender, 1931 Ehrenvorsitzender. Zwischenzeitlich fungierte er erfolgreich als Kreisverbandsvorsitzender des Kreises Döbeln und als Geschäftsführer und zuletzt Vorsitzender der Sächsischen Geflügelpreisrichtervereinigung, zeitweilig als Vorstandsmitglied im Reichsbund Deutscher Taubenzüchter. Für seine Leistungen wurde ihm schon 1926 die Goldene Ehrennadel des Landesverbandes Sächsischer Geflügelzüchter verliehen.

Als Fachschriftsteller hat er vor allem über Modeneser publiziert. Hervorzuheben sind aber auch seine faktenreichen Beiträge über Nackthalshühner und Krummschnabelenten, die ihn als ausgezeichneten Kenner alter Fachliteratur und Knüpfer von Kontakten in alle Welt ausweisen. Aber auch zu allgemeinen Fragen des Bundes und der Preisrichtertätigkeit äußerte sich Hugo Peschke kritisch-konstruktiv, so z. B. zur damals allerdings noch seltenen Tendenz, V-Noten zur Schleuderware zu machen.

Am 28. März 1948 verstarb der Vater der Deutschen Modeneser in Döbeln. Sein Sohn, der in den letzten Lebensjahrzehnten seines Vaters ebenfalls Vereinsmitglied war, trat nicht in die Fußstapfen des Vaters. So passierte bei Hugo Peschke leider der gleiche Vorgang wie bei Bruno Dürigen. Das gesamte hinterlassene Schrifttum, Ehrenpreise etc. landeten nach Aussagen Döbelner Zuchtfreunde auf dem Müll.

 

Sein Buch

Die größte Leistung Hugo Peschkes war sicher die Gründung des Sondervereins der Züchter Deutscher Modeneser anlässlich der Nationalen 1912 in Chemnitz. So hat es jedenfalls Peschke selbst geschrieben. Auch wenn ein anderer Gründungsort und Termin stimmen sollte (Döbeln am 27. April 1913 - Peschke nehmt diesen Termin als erste Hauptversammlung), bleibt es dabei, nicht nur der Gründungsort war in Sachsen, fast alle Gründungsmitglieder waren auch in Sachsen ansässig. Als Vorsitzender nannte Peschke Döbeln den Stützpunkt der Modeneserzucht (Geflügelbörse 1932, Nr. 93).

Nun begann der Siegeszug einer Rasse bis in die Neuzeit, den Peschke begleitete, wobei ihm die Schietti wohl besonders am Herzen lagen.

Das spiegelt sich auch in seinem Buch: Die Deutsche Modenesertaube in Wort und Bild, ihre Zucht und Bewertung, Döbeln, Druck und Verlag von Richard Holle, 1932, 96 Seiten, 26 Abbildungen wider. Der Verleger war selbst Modeneserzüchter.

Der Wert dieses Buches besteht darin, dass es die erste Monografie zu einer Huhntaubenrasse ist. Und bis in diese Zeit waren Monografien zu einzelnen Rassen doch recht selten. Dabei liegen die Anfänge doch schon recht früh, so z.B. für Deutsche Mövchen (1890), Nürnberger Bagdetten (1895), Show Homer (1907).

Hier soll weder der Inhalt des Buches referiert werden, noch ein Vergleich zu den heutigen Auffassungen erfolgen. Aber auf einen mehrfach gehörten Einwand, nämlich die Beschreibung der Farbe und Zeichnung sei überproportional breit, soll eingegangen werden.

Dass das so ist verwundert nicht. Peschke kommt aus einem Farbentaubengebiet, war ein Freund der Farbentaubenautorität August Neubert, hatte Farbentaubenzüchter in der Familie. Und es war ihm sicher klar, dass seine Rasse bei der Vernachlässigung von Farbe und Zeichnung im damaligen Hauptverbreitungsgebiet Sachsen keine Chancen bei seinen Preisrichterkollegen gehabt hätte.

Und so ist es doch der Rasse zu Gute gekommen, wenn sie heute nicht nur in der Proportion und in den Köpfen so klar definiert und einheitlich ist, sondern auch in Farbe und Zeichnung höchste Anforderungen gestellt werden können.

Hugo Peschke sei Dank dafür!

 

Prof. Dr. Joachim Schille

Die Gedenkmedaillen des SRV von 2001 bis 2010

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2001 Walter Engmann, 2002 Kurt A. Meissner, 2003 Willy Maudrich, 2004 Gerhard Hornuf, 2005 Eduard Bruno Dürigen, 2006 Walter Streller, 2007 Paul Hahn, 2008 Hans Günther, 2009 Fritz Richter, 2010 Dr. Paul Trübenbach


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Die Gedenkmedaillen des SRV von 2011 bis 2018

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2011 Gustav Torges, 2012 Karl Lenk, 2013 Rudolf Barth, 2014 Arthur Esche, 2015 Helmut Engelmann, 2016 Rudolf Kramer, 2017 Ernst Schneider 2018 Karl Fischer



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