Übersicht der Gedenkmedaillen des SRV e.V. in chronologischer Reihenfolge

2011 - Gustav Torges, Dresden (1840-1917)

Gustav-Torges-Medaille

 

Mit der Gedenkmedaille des Landesverbandes Sächsischer Rassegeflügelzüchter wird im Jahr 2011 Gustav Torges, Dresden, einer Persönlichkeit gedacht, die in der Frühzeit des Landesver- bandes dessen Geschicke maßgeblich lenkte. Und nicht nur das. Die Gründung des Landesverbandes erfolgte auf seine Anregung hin. Das geschah am 3. und 4. März 1882 auf Einladung des Geflügelzuchtvereins Dresden, dessen Sekretär Torges war, im Saal der Gartenbaugesellschaft „Flora“ zu Dresden.

Die 22 Gründungsvereine waren in alphabetischer Aufzählung: Annaberg, Bautzen, Bockwa, Chemnitz, Craschwitz, Döbeln, Dresden I, Dresden II, Eibau, Freiberg, Herwigsdorf, Kötzschenbroda, Leipzig, Meißen, Nieder-Oderwitz, Nossen, Ober-Oderwitz,
Oberlungwitz, Ölsnitz bei Lichtenstein, Radeberg, Reichenbach i.V., Wilsdruff.

Aus den Vertretern dieser Vereine wurde ein Vorstand (Büro genannt) gebildet, dem Gustav Torges wider Erwarten nicht angehörte. Schon damals wurde Proporz bei der
Ämterbesetzung angestrebt. In diesen Vorstand waren mit Fleck, Prosche und Liepsch schon drei Dresdner, zwei Chemnitzer, zwei Bautzener, ein Meißner und ein Radeberger gewählt worden. Aber schon 1883 als Sust aus Bautzen als 1. Schriftführer wegen Arbeitsplatzwechsel nach Bamberg ausschied, rückte Gustav Torges in dieses Amt ein, das er über 25 Jahre bekleidete zeitweise gepaart mit dem Amt des Kassierers. In den Anfangsjahren des Landesverbandes als die Vorsitzenden häufig wechselten - bis zum Jahr 1900 gab es fünf, war er der eiserne Gustav des Vorstandes.

Man muss sich das Sekretäramt anders vorstellen, als es heute ausgeübt wird. In den Dresdner Blättern für Geflügelzucht wird das zu bewältigende Arbeitspensum deutlich. Das waren nicht nur die heute auch zu erstellenden seitenlangen Protokolle und Ein- ladungen, sondern auch die Ausstellungsordnungen, die Bekanntgabe der Preisrichter und gestifteten Ehrenpreise, die Korrespondenzen mit den Obrigkeiten. Letzteres mit dem Königshaus schien Torges sehr am Herzen zu liegen, so dass das Haus Wettin allerhand Protektorate übernahm und Stiftungen von Ehrenpreisen tätigte, die natürlich nicht aus der Privatschatulle kamen. Von König Albert von Sachsen wurde er mit dem Ritterkreuz zweiter Klasse des Albrechtsordens und dem Titel Kommissionsrat geehrt. Viele Vereine ernannten Torges zum Ehrenmitglied.

Für Gustav Torges war offensichtlich die Einheit von Leistung und Schönheit in der Rassegeflügelzucht ein wichtiges Anliegen, denn er stiftete stets Ehrenpreise für wirt- schaftliches Nutzgeflügel. Darunter waren Leistungsrassen, aber auch Kreuzungsprodukte zweier Rassen zu verstehen, häufig damals von Minorka und Langshan. Diese Kreuzungen wurden ausgestellt und auch prämiiert. Im Landesverbandsvorstand gab es um die Jahr-hundertwende dafür sogar einen Berater. Das war Dr. med. Braune, Dresden, dem es auch um junges Tafelgeflügel für den Markt in den Wintermonaten ging.

So lag es nahe, dass Torges für die rauen Lagen der Sächsischen Mittelgebirge zu einem Sächsischen Landhuhn anregte und dessen Erzüchtung zusammen mit dem zuständigen Staatsministerium inszenierte. So entstand das Sachsenhuhn.

Verdienste hat sich Gustav Torges auch um das seinerzeit zerstrittene und viel diskutierte
Preisrichterwesen in Sachsen erworben. Auf vielen Schauen in Sachsen war er als Ob-mann der Preisrichter eingesetzt. Dafür wurde er als erstes Ehrenmitglied der Allgemeinen Deutschen Preisrichtervereinigung, Sitz Sachsen, ernannt.

Als Züchter hat er sich mit Federfüßigen Zwerghühnern und verschiedenen Taubenrassen hervorgetan. Seine Möglichkeiten, Geflügel in der Louisen-Str. 7 in Dresden zu halten, waren sicher begrenzt. Wohl deshalb zog er in die Randlage Löbauer Str. 12 um.

Fachschriftstellerisch ist er nicht in Erscheinung getreten. Seine veröffentlichten Jahres- brichte sind exzellent.

Der Landesverband ernannte ihn in Anerkennung seiner Leistungen zum Ehrenmitglied. Damit stand der Rentier Torges in einer erlauchten Gesellschaft von vier Ritterguts- besitzern und drei Geheimräten neben seinem langjährigen Chef im Landesverband Kammerrat Richard Becker. Im Jahr 1908 wurde er zum Ehrenvor-sitzenden des SRV ernannt Wohl dadurch motiviert, gründete er die Gustav-Torges-Stiftung für den Landes-verband der Sächsischen Rassegeflügelzüchter. Für damalige Verhältnisse wurden beacht- liche Summen an Preisgeld durch diese Stiftung vergeben, so z. B. für die 27. Landesver-bandsschau 1909 in Reichenbach i. V. 100 Mark zu vier gleichen Preisen von 25 Mark auf Wassergeflügel, landwirtschaftliches Nutzgeflügel, Ziergeflügel, zu dem auch die sogenan-nten Sportrassen der Hühner und Zwerghühner gezählt wurden, und auf die Tauben. Das war viel Geld. Die übrigen Preise bewegten sich zwischen zwei und acht Mark pro Tier, bei den Sammlungen und den einzelnen Siegerpreisen lag der Betrag etwas höher. Das Eintrittsgeld für Besucher war 50 Pfennige pro Tag. Die Dauerkarte für drei Tage kostete eine Mark.

Alle Recherchen zur persönlichen Biographie von Gustav Torges blieben leider wenig ergiebig. Er starb am 15. April 1917 im Alter von fast 77 Jahren. Sein sozialer Status wird in den zur Verfügung stehenden Dokumenten stets als Rentier angegeben. Das einfach als Rentner zu verstehen, das wäre falsch, obwohl der Begriff Rentner aus dem Rentier her-vorgegangen ist. Der Rentier ist eine Erscheinung der Gründerzeit und der wirtschaft-lichen Industrialisierung in Deutschland nach der Reichsgründung. Diese soziale Schicht des Bürgertums lebte von den Zinsen ihrer Vermögen und den Dividenden ihrer Industrie-anlagen. Der Rentner erhält seine Altersbezüge aus seinen Versicherungsbei-trägen. Woher Gustav Torges sein Vermögen hatte, geschweige denn wie groß es war, kann nicht endgültig geklärt werden. Es gibt dazu nur eine mündliche Überlieferung. Mein Schau-taubenfreund Otto Grohmann, der 1928 in den Dresdner Geflügelzuchtverein ein-getreten und ein guter Kenner der Altszene der Geflügelzucht in Dresden war, hat mir aus Ge-sprächen im Dresdner Verein berichtet, dass Torges durch Verkauf von Grundstücken in bester Lage reich geworden wäre. Er habe früher z. B. seine Tiere in der Nähe des Post-platzes, also im Zentrum Dresdens, gehalten.

Was bleibt sind seine Leistungen und seine Opferbereitschaft, die die Ehrung posthum wohl mehr als rechtfertigen.



Prof. Dr. Hans-Joachim Schille, Radebeul

Beauftragter für Tier- und Artenschutz beim BDRG und der EE

2010 - Dr. Paul Trübenbach, Chemnitz (1876-1934)

Dr.-Paul-Trübenbach-Medaille

 

Einer guten Tradition folgend, widmet der Landesverband Sächsischer Rassegeflügel- züchter in diesem Jahr seine Jahresmedaille einem der Größten in seiner Geschichte. Seit der Antike gibt es Dispute und Traktate, wer historisch gesehen als großer Mann gilt. Gemeinhin ist man sich einig, überragende Taten für den Fortschritt seines Landes oder
der Menschheit machen einen großen Mann aus.

Was steht dafür bei Paul Trübenbach im Buch der Geschichte der Rassegeflügelzucht?
Von den Jahren seiner Graduierung zum Doktor der Philosophie abgesehen, war sein Leben von Kindesbeinen an (geboren am 3.8.1876 in Chemnitz) bis zu seinem frühen Tod (26.11.1934 in Berlin) ein Leben für die Rassegeflügelzucht, das aus dem Leben seiner Rassegeflügel züchtenden Zeitgenossen herausragte.

Zeitlebens war er als Praktiker, Theoretiker und Vermittler für die Rassegeflügelzucht
erfolgreich tätig. Und eine solche Triade können nur wenige vorweisen. Er war in vierter Generation Rassegeflügelzüchter, lernte Rassegeflügelzucht von der Pike auf bei seinem Vater Baumeister Albert Trübenbach und schuf mit seinem Sohn Gottfried, der weiße Zwerg-Wyandotten und die „Familientradition“ Bantam züchtete, eine fünfte Generation. Wer kann eine solche Genealogie vorweisen?

Er war ein treuer Züchter seiner Rassen. Das waren vor allem Perückentauben, Deutsche
Mövchen, Chinesische Mövchen, Eistauben, Bantam, Weiße Wyandotten und deren Zwerge.

Als Preisrichter, Schriftsteller, Verleger und Vorsitzender des Zuchtausschusses des Bundes Deutscher Geflügelzüchter setzte er sich nachhaltig aber auch für andere Rassen ein wie Leghorn, Sachsenhühner, Sächsische Farbentauben, die Taubenrassen des Baltikums und Großbritanniens.

Im Katalog der Deutschen Bücherei in Leipzig, die seit 1913 das deutschsprachige
Schrifttum sammelt, steht er mit 13 Titeln zur Rassegeflügelzucht. Das sind:
Bau und Einrichtung moderner Taubenschläge, Futter und Fütterung der Rassetauben, Natürliche Brut und moderne Kükenaufzucht, Die Mövchentauben, Die Perückentaube, ABC der praktischen Gänsezucht für Erwerbszwecke, ABC der praktischen Entenzucht für Erwerbszwecke, Rationelle Truthühnerzucht, Sachgemäße und einträgliche Geflügelfüt-terung, Rosenkämmige Bantam, Plymouths in Wort und Bild, Weiße Wyandottes.

Als Verleger hat er in seinem Verlag in Chemnitz bedeutende Werke namhafter anderer
Autoren wie Bayer, Blancke, Böhme, Friese, Günther, Klein, Körber, Menge, Paneck und mehrere seines Freundes Arthur Wulf veröffentlicht. Aus dem Verlagshaus in der Logen-straße 1 in Chemnitz kamen aber auch Rassebilder, farbige Postkarten, Preisrichterstäbe, Celluloidringe, Aufkleber, Ausflugverschlüsse, Zucht- und Legetabellen, Preisrichterbücher und vieles andere in die Vereine.

In schweren wirtschaftlichen Zeiten leistete er als Zeitschriftenverleger eine Sisyphus- arbeit. Von 1909 bis 1928 gab er mit Unterbrechungen die „Geflügel-Welt“ heraus, die ihm der Bund dann als sein Verbandsorgan abkaufte.
Er blieb ihr Schriftleiter. Den beiden anderen Zeitungen „Zwerghuhn-Züchter“ (beide ab 1924) und „Tauben-Züchter“ war kein langes Erscheinen und keine große Leserschaft beschieden.

Viel Mühe und Kontaktpflege verwendete Dr. Trübenbach darauf, seine Publikationen
mit Informationen aus dem Ausland zu versehen. Er war ständiger Besucher der damals bedeutenden Ausstellungen auf der Insel.

An Ehrungen hat es ihm nicht gefehlt. Er war in 34 Vereinen Ehrenmitglied und allein in der Geflügelbörse, die ja sein Konkurrenzunternehmen war, erschienen 14 Nachrufe zu seinem Ableben. 

Welcher Mensch mit welchen Charakterzügen steht hinter diesen Leistungen?

Er hat sich selbst als Sklave seiner Unternehmungen bezeichnet, war gesundheitlich angeschlagen und litt wohl auch unter seinem starken Strabismus. Liebevoll nannte ihn die Züchterschaft einfach "unser oktor". Es trifft wohl charakterisierend den Nagel auf den Kop, was Verlag und Schriftleitung der "Geflügelbörse" am 30. November 1934 in einem halbseitigen Nachruf als Gedicht voran stellten:

"Leg Trauer an, Alldeutschlands Züchterwelt!

Es sank ins frühe Grab der Größten einer,

Des Geisteskraft die Straße Dir erhellt.

Er war ein Stiller und er war ein Feiner,

Der nach der Menge Beifall nie gegiert.

Er stand mit seines Wissens klarem Lichte

Vor In- und Ausland immer ungeziert,

Uns allen war er nur der Freund, der schlichte,

Der stets gespendet aus des Wissens Quell,

Was ihm ein reiches Leben mitgegeben.

Und darum wird auf immer sonnenhell

Sei treu Gedenken vor uns schweben."

Was braucht es der Worte mehr, eine stark leuchtende Ausnahmeerscheinung am wahrlich nicht dunklen Firmament der Sächsischen Rassegeflügelzucht, auf dem viele Sterne leuchten, endlich die hochverdiente Gedenkmedaille zu widmen?

Prof. Dr. Hans-Joachim Schille, Radebeul

2009 - Fritz Richter, Görlitz (1889-1960)

Fritz-Richter-Medaille

 

Der bevorstehende 50. Todestag von Fritz Richter am 13. Juli 2010 ist lediglich der Anlass, ihm die Jahresmedaille für verdienstvolle Züchterpersönlichkeiten der Vergangenheit zu widmen. Verdient hat er sich diese Ehrung mit seinen überragenden Leistungen für die deutsche Rassegeflügelzucht.

Im Jahr 1922 übernahm Fritz Richter in der Nachfolge von Robert Oettel und August Kienitz den Vorsitz des 1. Hühnerologischen Vereins zu Görlitz. Dreißig Jahre lang über drei politische Systeme hinweg übte er dieses ehrenvolle Amt einfallsreich und engagiert aus. In dieser Zeit hat er Hervorragendes geleistet. An erster Stelle ist hier die Hundertjahrfeier der organisierten Rassegeflügelzucht in Deutschland 1952 zu nennen.

Diese letzte gemeinsame Veranstaltung der Züchter aus Ost und West war groß vom Programm und von der Teilnehmerzahl her. Drei Tage lang (10. bis 12. Oktober) wurde getagt und gefeiert. Am Geburtshaus wurde die heute noch erhaltenen Gedenktafel für den Hühnervater Robert Oettel enthüllt, das Denkmal am Weinhübel wurde neu geweiht, vierhundert vergoldete Oettel-Nadeln wurden gestiftet. Als Ehrenpreise wurden Vasen und Teller aus Meissner-Porzellan in der Ausstellungssaison 1952/53 vergeben. Aber das gesamte Präsidium des BDRG nahm nicht teil. Die Entschuldigung von Wilhelm Ziebertz, den eine Krankheit an der Teilnahme verhindere, wurde von vielen Teilnehmern
nicht geglaubt. Die Grüße der Züchter aus der BRD überbrachte Johannes Grebe aus Gladbeck, der Fritz Richter mit der Goldenen Bundesnadel auszeichnete. Aus der DDR sprachen Fritz Joppich als Abteilungsleiter der VdgB, Max Müller als Vorsitzender der Zuchtkommission, Bruno Müller als Vorsitzender des Landesverbandes, Prof. Dr. Gerriets und der Zuchtleiter Herbert Raschke.

Was bisher über den Görlitzer Verein kaum hinausdrang, muss in diesem Zusammenhang öffentlich gemacht werden. Die Mitveranstalter Sektor für Kleintierzucht der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe der DDR und der BDRG hielten ihre finanziellen Zusagen für Kostenübernahme nicht ein, so dass Fritz Richter vor nicht unerheblichen Schulden in fünfstelliger Höhe stand, die er nur durch den Verkauf seines Hauses tilgen konnte. Allein für dieses persönliche Opfer wäre die Würdigung hochverdient. Aber bei Fritz Richter ist noch mehr zu würdigen.

Fritz Richter war auch ein Züchter von Format. Ganz in Weiß liebte er es besonders auf seinem Geflügelhof. Rund 50 Jahre züchtete er erfolgreich Weiße Wyandotten und weiße Deutsche Schautauben und wurde dafür von den Sondervereinen hoch geehrt. Goldfarbige Italiener, Steigerkröpfer und Süddeutsche Mohrenköpfe bleiben bei ihm züchterische Episoden.

Als Ausstellungsleiter von mehr als 30 Ausstellungen hat er die Ausstellungen in der Stadthalle zu Görlitz zu beliebten Treffpunkten der Züchter aus Sachsen, Brandenburg, Berlin, Anhalt und Thüringen gemacht. So hatten diese Schauen oft mehr als 2000 Meldenummern und waren alles andere als bloß ein Ereignis der Oberlausitz. Bereits 1927 und 1937 wurden solche Meldezahlen erreicht und natürlich zum Jubiläum des Vereins 1952 mit der stattlichen Zahl von rund 2200 Tieren. Auch an prominenten Ausstellern fehlte es in Görlitz nicht: Prof. A. Reiss, Adam, Ziegenhagen, Roschke, K. Deutschmann, Klemmstein, Böttcher, Heinker, Hütter, Rossmann, Flemmig, Färber, Angermann seien stellvertretend für viele andere in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts bekannte Züchter als Beispiele genannt. Auch zu den landwirtschaftlichen Ausstellungen in Görlitz 1927, 1929 und 1950 gestaltete
Richter mit dem Görlitzer Verein große Sonderschauen.

Dass Fritz Richter als Organisator und Führerpersönlichkeit begnadet und integer war, geht schon allein daraus hervor, dass er über drei politischen Systeme hinweg auch der jeweiligen Kreisorganisation Görlitz vorstand. Die Züchter vertrauten ihrem Fritz Richter, der so geradlinig wie seine Schrift exakt war.

Mit der Medaille wird auch ein Mensch posthum geehrt, der das Züchterische vor das Politische stellte.

 

Prof. Dr. Hans-Joachim Schille, Radebeul 

2008 - Hans Günther, Leipzig (1889-1954)

Hans-Günther-Medaille

 

Verdiente Persönlichkeiten der deutschen, der sächsischen Rassegeflügelzucht jährlich durch eine Medaille zu ehren ist ein guter Brauchdes Landesverbandes der Sächsischen Rassegeflügelzüchter geworden. Es erinnert
die Nachgeborenen an die Leistungen Einzelner, die den Ruf der sächsischen Rassegeflügelzucht begründeten.

Hans Günther war ein begnadeter Organisator, zielstrebiger Leiter des Vereins und einfühlsamer Moderator zwischen den Interessengruppen. Die Leistungen, die Hans Günther federführend für den Verein erbracht hat, waren die Grundlage für die Anerkennung über Grenzen des Landes hinaus. Dies alles hätte er nicht im vollen Umfang leisten können, wenn er nicht durch seine Frau Marie Günther in allen Dingen tatkräftig unterstützt worden wäre. Sie fasste einmal das Wirken ihres Mannes und das Ihrige mit den Worten zusammen: „Wir freuen uns des Erfolges, weil wir Freude an der Arbeit haben.“

Ich glaube besser kann man die Motivation dieser überragenden Gestalter des Leipziger Rassege- flügelzüchtervereins nicht begründen.

Hans Günther wurde am 08.09.1889 geboren. Er starb zwei Monate vor Vollendung des 65. Lebensjahres am 09.07.1954. Sein Wirken wurde am 22.07.1954 durch den Leipziger Rassege- flügelzüchterverein und in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste gewürdigt.
Die Worte des Gedenkens sprach der 1. Vorsitzende des Leipziger Rassegeflügelzüchtervereins 1869 e.V. Paul Storch.

Hans Günther erlernte den Beruf eines Kaufmannes. Bereits 1911 machte er sich selbstständig und gründete eine chemische Fabrik und eine Futtergroßhandlung. Beides übergab er seinem Sohn,
der das Unternehmen weiterführte.

Zuerst wurde er Mitglied des Geflügelzüchtervereins Leipzig – West. Bereits 1911 übernahm er das Amt des Ausstellungskassierers. 1913 erfolgt der Eintritt in den Leipziger Rassegeflügelzüchterverein.

Im März 1920 übernimmt er, getragen vom Vertrauen aller, die Leitung und Führung des Leipziger
Geflügelzuchtvereines. Es beginnt ein Umbruch in der Arbeit des Vereines. Es zieht ein neuer Geist ein. In der Zeit von 1920 bis zu seinem Tode hatte er neben der Leitung des Vereines und als Ausstellungsleiter der Leipziger Rassegeflügelschau (später LIPSIA) weitere Ehrenämter inne. Aus Platzgründen will ich darauf nicht weiter eingehen.

Als Geflügelzüchter galt sein ganzes Interesse der Zucht der Rhodeländer und der Schönheitsbrieftauben. Mit beiden Zuchten war er als Züchter erfolgreich. Bei den Rhodeländern führte er über viele Jahre die Gruppe Sachsen. Hans Günther war es, der 1926 die 1. LIPSIA-Schau begründete. Die Schau wird für immer mit seinem Namen verbunden sein. Die „LIPSIA-Schau“ war es, die weit über die Grenzen Deutschland hinaus die Tradition der Leipziger Schauen bekanntmachten und weltweit die Qualität der sächsischen und deutschen Rassegeflügelzucht begründete. Es kamen Züchter und Liebhaber aus der ganzen Welt nach Leipzig, um sich über den Zuchtstand der Rassen zu informieren und gute Zuchttiere zur Verbesserung ihrer eigenen Zuchten zu erwerben. Die Organisation der Schauen lag in den Händen von Hans Günther. Er führte Regie und sammelte eine Mannschaft um sich, voller Tatendrang und Gemeinsinn. Es war sein Lebensinhalt, seine ganze Kraft dem Aufbau und der steten Vorwärtsentwicklung der deutschen Rassegeflügelzucht zu widmen, ganz im Sinne eines Robert Oettel und eines Hugo du Roi. Man kann sein Schaffen unter das Motto stellen:

„Großes erwächst nur aus innerer
Begeisterung und opferfreudiger Hingabe des Einzelnen.“

„Großes gestalten allein lässt
sich nur durch schaffensfreudigen Gemeinsinn Aller.“

Hans Günther hatte aber auch Kritiker und Besserwisser sowohl im Verein als auch in der deutschen
Organisation. Zu diesem Thema schreibt Karl Lenk: „Über allem stand für Hans Günther die Aufgabe, die Einheit der Gemeinschaft zu wahren, wie selbst die der ganzen Züchterorganisation. Er musste hart bleiben gegen Kritiker und Besserwisser, er kämpfte an mit Ausdauer und Zähigkeit gegen alle Sonder- und Spaltungstendenzen, die sich zeigen wollen…“

Hans Günther hatte schon früh erkannt, dass die „LIPSIA“ ein Band ist, das alle umfasst und einen konnte. Die Mitarbeit war freiwillig und trotzdem, einer rief und alle, alle kamen.

Im Januar 1934 wurde die Reichssiegerschau mit 20.000 Tieren durchgeführt. Hans Günther und sein
Stellvertreter Karl Lenk hatten ihre Schuldigkeit getan. Sie wurden beide abgelöst. Das Ziel war erreicht, die neuen Machthaber setzten ihre genehmen Personen in die Ämter ein.

Im Juni 1945 wurde Hans Günther mit dem Neuaufbau der Rassegeflügelzucht in Leipzig und darüber hinaus in der damaligen sowjetisch besetzten Zone beauftragt. Mit dem ihm eigenen Elan gingen er und seine Frau Marie an die gigantische Aufgabe. Die folgenden Jahre wurden zu einer schweren Aufbauarbeit. Die erste Schau wurde 1947 wieder in Leipzig unter seiner Leitung organisiert. Sie war gleichzeitig Gelegenheit zu sichten, welches Tiermaterial noch vorhanden war. Ein Hauptproblem nach dem verheerenden Krieg, wo kann Futter für die Zuchttiere beschafft werden. Es gelang nur langsam die Organisation in die erforderlichen Bahnen zu lenken. Er schaffte es mit Willenskraft, Zähigkeit und Idealismus.

Von schwerer Krankheit gezeichnet leitete Hans Günther am 22.04.1953 seine letzte Generalversammlung des „Leipziger Rassegeflügelzüchterverein 1869 e.V.. In dieser Versammlung übergab er den Vorsitz an Paul Storch. Hans Günther bleibt Ehrenvorsitzender. In einem Brief des Präsidenten des BDRG, Herrn Sieberts, der in der Mitgliederversammlung am 05.08.1953 verlesen wurde, wurde mitgeteilt, dass Hans Günther zum Ehrenmitglied und Ehrenmeister des BDRG ernannt wurde. Am 09.07.1954 verstarb Hans Günther. Am 14. Juli 1954 wurde er beigesetzt.

Es war nicht Ziel dieser Laudatio, das Leben und Wirken Hans Günther umfassend und lückenlos dazustellen. Ich konnte mich auf Aufzeichnungen von Hans Günther, Karl Lenk und Karl Rosenke
stützen. Unterstützt wurde ich dabei von Wolfgang Schlegel und Bernd Dietrich, denen ich hiermit herzlichen Dank sage.

 

Dr. Lothar Heinrich

1. Vorsitzender des Leipziger Rassegeflügelzüchtervereins 1869 e.V.

2007 - Paul Hahn, Chemnitz (1878-1942)

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2006 -

2005 - Prof. Dr. Dr. hc. Bruno Dürigen (1853-1930)

2004 - Gerhard Hornuf, Sohland/Spree (1899-1974)

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2003 - Willy Maudrich, Leipzig (1901-1986)

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2002 - Kurt A. Meissner

2001 - Walter Engmann, Leipzig (1911-1989)

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